Mecklenburgische Seenplatte – Wasser, Raps und Mohn ….

Urlaub an der mecklenburgischen Seenplatte © pixabay.com

Urlaub an der mecklenburgischen Seenplatte © pixabay.com

Es ist Spätsommer und wir haben dringend eine Woche Kurzurlaub nötig. Ein schöner Spätsommer, es ist warm, der Himmel ist blau und wir sind bereit für eine Stippvisite mit Badespaß, denn das muss sein. Wasser, milde Temperaturen, schöne Städte und Dörfer und wenn möglich auch ein bissel Kultur, halt was zum Anfassen. Wohin? Der östliche Norden, denn da war noch keiner von uns beiden. Und weil Wasser schon immer das Thema ist, drängt sich die Mecklenburgische Seenplatte geradezu auf. Auf Plau am See fällt unsere Wahl und es wird sich herausstellen: Diese Wahl war goldrichtig.

Nach Plau am See – vorbei an Jena, Leipzig und Berlin

Unser Ferienort Plau am See © © travelpeter - Fotolia.com
Unser Ferienort Plau am See © travelpeter – Fotolia.com

Über die A5 bis Jena, dann die A9, vorbei an den Toren von Berlin und grad so weiter – Autobahnen ohne Ende. Aber das war uns vorher schon bewusst, denn immerhin handelt es sich bei unserem Vorhaben um knappe 800 km „Fernreise“ mit dem Auto. Wir lassen uns Zeit und genießen bereits die Fahrt ins Mecklenburg-Vorpommersche Land. Es dauert ca. 8 Stunden, bis wir unseren Urlaubsort Plau am Plauer See erreicht haben. Das sieht klasse aus und fühlt sich genauso an. Die kleine Stadt Plau liegt am westlichen Ufer des riesigen Sees. Man hört von ihr bereits im Mittelalter das erste Mal. Wir freuen uns schon darauf, das Städtchen zu erkunden, ein wenig mehr über die bewegte Geschichte und das traumhafte Umland zu erfahren. Es ist spät geworden und unser Anreisetag in Plau am See endet mit dem Einzug in unserem kleinen Hotel und einem Abendspaziergang am Eldeufer. Wir sehen die Schleuse samt der berühmten „Hühnerleiter“, einer Brücke nur für Fußgänger. Nach links gewendet bummeln wir zum Yachthafen, riechen die Seeluft und sind von dem beeindruckenden Wolkenhimmel fasziniert. Wir haben schon viele herrliche Wolkenbilder gesehen, dieser Himmel aber hat dickbauchige, strahlend weiße Schönwetterwolken vor einem klaren Himmel-Blau. Wirklich, nur Abheben kann schöner sein!

1. Tag – Das Sechstage-Rennen will beginnen

Wie immer, gerade angekommen, glaubt man, man habe alle Zeit der Welt, doch das täuscht. Wir googeln via Satellit, wobei wir uns jetzt ein genaueres Bild über die Region machen können. Aus der Ferne erscheint alles viel überschaubarer, aber so nahe wissen wir nicht wirklich, wo anfangen. Also: erst einmal die kleine Stadt, das nahe Umfeld und der See. Wir hören von Wangelin mit seinem großen Kräutergarten (ich bin begeistert), aber der muss warten. Also Frühstück und ab ins Städtchen.

Fachwerkhäuser wohin wir schauen. Kleine, große, verputzt und bunt gestrichen; rote, gelbe Backsteinhausfassaden mit den schönsten Haustüren, wie ich sie auf einen Hieb noch nie gesehen habe. Ich mache Serien von „Haustür-Fotos“ und später werde ich bei jedem Türbild entzückt sein! Wir laufen einen ganzen Tag durch diese kleine Stadt, sehen St. Marien, die frühgotische evangelische Kirche. Wir gelangen auf Umwegen zur Festung, der Burg Plauen, von der ein mächtiger Burgturm mit unglaublich vielen Schießscharten zeugt. Irgendwie schaffen wir es zurück ins Zentrum, wo wir auch das Plauener Rathaus aus rotem Backstein zu sehen bekommen. Dazwischen Mittagessen und der Espresso, auf den wir auch hier im Norden nicht verzichten werden. Es ist schön und wir genießen unseren ersten Tag, wobei wir beschließen, kein Sechs-Tage-Rennen zu veranstalten – wir werden uns Zeit lassen. Gegen Abend bewegen wir unsere müden Füße via Auto dann doch noch einmal in Richtung See, um sie am Ufer dieselben ins Wasser zu hängen – wir wollen ihn sehen und fühlen, diesen traumhaft schönen, riesigen See mit seinem klaren Wasser!

2. Tag – Kräutergarten in Wangelin – Kräutergarten der Superlative

Der zweite Tag soll uns mit dem Fahrrad nach Wangelin führen. Das ist nach einer so langen Autofahrt genau die richtige Abwechslung und sorgt für genügend Bewegung. In Plau kann man überall Fahrräder mieten, was wir sodann auch tun. Es ist nicht weit (knappe 10 km sagt google) und die Radtour über Land auf schnurgeraden Straßen wird uns bei herrlichen Temperaturen und blauem Himmel sicher Spaß machen. Vorbei an Gnevsdorf erreichen wir bald den Kräutergarten in Wangelin.

Man nennt ihn den größten Kräutergarten Mecklenburgs. Das glauben wir gerne, denn dieser Garten ist einfach riesig und ganz bezaubernd. Da findet sich alles, was Kräuterbegeisterte anzuziehen vermag – Heilkräuter, Gartenkräuter und sog. Zauberpflanzen. Nein, keine Bange, hier wird niemand beim Berühren in einen Raben verwandelt. Es war das finstere Mittelalter, das bestimmte Pflanzen als Zauberpflanzen und kräuterkundige Frauen und Männer als Hexen / Hexer bezeichnete. Aber das ist ja nun erfreulicherweise Geschichte, höchst interessante allerdings. Und wem´s zu unheimlich wird, der kann sich in den Bauerngarten oder den Schmetterlingsgarten zurückziehen, da passiert bestimmt nichts. Selbst für Familien mit Kindern bietet dieses Areal so viel Abwechslung, dass es niemandem langweilig werden wird. Und im Café gibt’s Leckeres.

Zurück geht´s über Kritzow, vorbei am Kritzower See, mit seiner kleinen Backstein-Fachwerk-Kirche samt Holzturm im Ortsteil Benzin. Roter Backstein überall. Es wirkt sehr heimelig und ich stelle mir das im Winter mit Schnee vor. Der Radweg führt uns über Broock und hier finden wir uns vor einer Feldsteinkirche mit Holzturm wieder. Das haben wir auch noch nicht gesehen – dieser Turm ist nicht höher als das Kirchdach und völlig aus Holz. Sehr trutzig! Weiter geht´s nach Barkow und wie wir später erfahren werden, entspringt ganz in der Nähe die Mildenitz dem Erdboden. Das ist interessant, denn wir wollen auch ins Mildenitz-Durchbruchtal, von dem wir hören, dass es sehr urig sein soll. Stunden später aber radeln wir wieder zurück nach Plau an seinem herrlichen See. Vielleicht sind wir an diesem Tag ca. 40 km geradelt. Mag sein, aber es hat sich gelohnt und wir fühlen uns bereits völlig losgelöst.

3. Tag – Krakow am See – Nossentiner-Schwinzer-Heide

Selbstverständlich haben wir uns vor Antritt der Reise über den Naturpark Nossentiner-Schwinzer-Heide informiert – ein Naturpark, der mehr als 60 Seen, ungeheuerlich viel Wald, herrliche Felder (und diese Jahreszeit blühen Raps und Mohn und ergeben Farbkompositionen wie von „Nolde-Hand“), Moore und kleine Seen, verstreute historische Architektur und kleine Dörfer + Flecken auf beinahe 400 qkm Fläche umfasst. Der Park bietet Rad- und Wanderwege und auch für solche hoch zu Ross ist gesorgt. Wir aber fahren heute mit dem Auto nach Krakow (nur knappe 20 km) an den See und planen, diesen zu umrunden. Der Krakower See liegt am westlichen Rand der Nossentiner Heide und ist, wie sein großer Bruder, der Plauer See, ein Traum. Er bildet keine einheitliche Fläche, er ist zerklüftet, scheint zergliedert, zeigt unzählige Buchten und eine Menge kleiner Inseln. Sehr spannend!

Heute bläst ein Wind. Die Zweige der Bäume am Ufer flattern mächtig und die Böen kräuseln die Wasseroberfläche – aber das ist egal, es ist sehr schön. Am Ufer begegnen wir farbenprächtigen Erpeln und ein wenig weiter entdecken wir einen kleinen Kräutergarten mit Kräuterschnecke und einem sehr freundlichen Menschen. Er ist ein Kräuterfan und erzählt uns von den Kita-Kindern, die diesen Garten gebaut haben + ihn pflegen.

Auf der Seepromenade bewegen wir uns ins Zentrum – schauen uns um, in dieser freundlichen kleinen Stadt mit ihrem neugotischen Rathaus, der roten Backsteinkirche mit dem dunklen Türmchen und schön geschnitztem Altaraufbau. Und jetzt ist der Kamera-Akku leer und nichts geht mehr. Aber nach Kuchelmiß zur Wassermühle werden wir fahren, auch ohne Kamera. Die Mitte des 16. Jahrhunderts erbaute Mühle befindet sich im Durchbruchtal der Nebel, einem kleinen Flüsschen, und ist heute ein Museum. Der Weg führt über Serrahn nach Kuchelmiß und wir finden die alte Wassermühle samt einem separaten Wasserturm, der einst Mühle, Schloss und Stallungen mit Trinkwasser versorgt hatte. Ein wirklich uriges Gelände, wild und spannend schön.

Wir fahren weiter auf unserer Tour um den See und versuchen mit dem Auto ein wenig näher an ihn heran zu kommen, was nicht möglich und wahrscheinlich gut so ist. Über Dobbin-Linstow und Karow geht es heimwärts und eine ca. 70 km lange Rundreise neigt sich dem Ende. Als wir am Abend in Plau ankommen, haben wir uns eine ruhige Nacht verdient, denn morgen soll´s nach Güstrow gehen.

4. Tag – Kreisstadt Güstrow und Barlachstadt – Kunst zum angucken

Der Dom in Güstrow © © Martin Schlecht - Fotolia.com
Der Dom in Güstrow © Martin Schlecht – Fotolia.com

Güstrow, die mittelalterliche Residenzstadt, von der man bereits zu Beginn des 12. Jahrhunderts erstmals hört. Heute beeindruckt sie ihre Gäste mit schön restaurierten Bürgerhaus-Fassaden der unterschiedlichsten Stilrichtungen, dem beeindruckenden Renaissance Schloss samt Park und einem Backsteingotik Dom, der Baukunst, wie man sie in Norddeutschland häufig antrifft. Im Dom befindet sich die berühmte Plastik „Der Schwebende“ von Ernst Barlach. Und auch das Güstrower Rathaus mit seiner klassizistischen Fassade im Zentrum der Stadt verlangt unsere Aufmerksamkeit.

Stundenlang laufen wir durch diese Stadt und werden nicht müde, weil es hier so viel zu sehen gibt. Dazwischen speisen wir, trinken den obligatorischen Espresso und kommen mit sehr freundlichen Menschen ins Gespräch. Es wird langsam Abend und wir fahren zurück. Am Abend bummeln wir durch Plau, besuchen noch einmal die „Hühnerleiter“ und den Yachthafen.

5. Dobbertiner Kloster – einst Damenstift und heute Platz für Kultur

Klosterkirche Dobbertin © Udo Kruse - Fotolia.com
Klosterkirche Dobbertin © Udo Kruse – Fotolia.com

Ca. 30 km nord-westlich liegt Dobbertin mit seinem berühmten ehemaligen Damenstift, dem Dobbertiner Kloster. Da geht´s heute hin. Das beeindruckende Kloster aus rotem Backstein liegt direkt am See und beheimatet neben verschiedenen sozialen Einrichtungen auch den Theodor-Fontane-Freundeskreis. Aber immer wieder ziehen uns diese traumhaft schönen Seen, flach, umrahmt von Feldern, Wäldern und ab und an gesäumt mit Städten und Dörfern, in ihren Bann. Dieses Mecklenburg-Vorpommern mit seinen unzähligen Seen ist ein anderes Land. Wir schlendern durch den Ort, sitzen am Dobbertiner Seeufer und freuen uns über die Ruhe. Der Wind lässt das Schilf des breiten Schilfgürtels am Seeufer rauschen und wir haben kein Bedürfnis, hier so schnell wegzugehen. Das ist genau die Entspannung, die wir gesucht haben. Irgendwie reicht uns das für heute – Entspannung macht sich breit und wir nehmen uns an diesem Tag sehr viel Zeit für nichts.

6. Tag – Land der 1000 Seen – viel zu kurz ist diese Reise

Heute ruft noch einmal ein Ausflug. Das Mildenitz-Durchbruchstal, das ca. 60 km nord-westlich von Plau liegt (das hätten wir gestern schon haben können). Wir fahren über Goldberg, Dobbertin und Borkow nach Sternberg und lassen uns von einem freundlichen Herren den Weg zu einem Wald-Parkplatz zeigen, von dem aus wir loslaufen. Und wirklich, das hat was. Das Mildenitz-Durchbruchstal ist, soweit wir das beurteilen können, ein Erlebnis. Urig, belassen, so stellt sich uns der Wald samt dem kleinen Flüsschen vor – Baumstämme, die quer über dem Wasserlauf liegen, rechts und links dicht stehende Bäume, böschige Hänge und eigentlich ziemlich wenig Wasser. Und erst viel später werden wir Bilder sehen, die uns mehr Einblick in das Erlebnis „Mildenitz mit dem Kanu befahren“ geben werden. Es muss ein Paradies für Kanufahrer sein, wobei wir uns vorstellen können, dass man das Boot des Öfteren auch wird tragen müssen.
Die Zeit in dieser beeindruckenden Wildnis vergeht wie im Flug und schon machen wir uns auf den Rückweg. Heute wollen noch die Koffer gepackt werden und wir wollen die Reise gemütlich in Plau ausklingen lassen.

Mecklenburg-Vorpommern, das Land der 1000 Seen, hat einen tiefen Eindruck bei uns hinterlassen und eine Woche war definitiv viel zu schnell vorbei. Geblieben aber sind Bilder von bunten Städtchen, viel Natur, viel Wasser und sehr freundlichen Leuten ….

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